Neubau Landratsamt Landsberg – Kostenberechnung

Seit einigen Jahren steht die Planung eines Erweiterungsbaus des Landratsamt Landsberg im Raum. Konkrete Zahlen hierfür gab es lange nicht. Nach einer Kostenschätzung sollen nun mit der heutigen Sitzung des Kreisausschuss die Kostenberechnung geliefert werden.

Es ist mittlerweile unumstritten, dass die Arbeitsplätze am Landratsamt Landsberg modernisiert werden müssen, und insgesamt ist die derzeitige Lage mit zahlreichen Außenstellen eher ungünstig für die Verwaltung. Naheliegend also, dass etwas unternommen werden muss. Im Laufe der Jahre gab es hierzu schon einige Vorschläge und Gutachten. Schließlich fokussierte sich die Verwaltung auf einen Neubau am Penzinger Feld. Erst als Erweiterungsbau zur Zusammenlegung der Außenstellen gedacht, dann als kompletter Neubau geplant. Ein Architekturwettbewerb wurde hierzu vor einigen Jahren ausgerufen und ein Gewinner gekürt. Dieser heute oft als „Lechkiesel“ bezeichnete Bau soll nun dort realisiert werden.

Ganz zu Beginn stand die Zahl von 30 Mio. Euro Baukosten im Raum, aber mittlerweile wurde dieser Wert schon im Vorfeld auf über 100 Mio. Euro korrigiert – Tendenz steigend. Aus diesem Grund stimmte der Kreistag im Dezember 2023 einem SPD-Antrag zu, der besagt, dass konkrete Zahlen genannt werden müssen, um dann im Gremium über das Vorhaben final zu entscheiden. Nun legt die Verwaltung die Zahlen für die aktuelle Planung vor: so geht sie von einer Summe in Höhe von rund 115 Millionen Euro aus. Hinzukommen noch die Ausstattung und das Grundstück: somit entstünden Gesamtkosten von gut 120 Mio. Euro. Als Einsparpotenzial werden hierbei 5 Mio. Euro genannt: bei den Stellplätzen und einer Verkleinerung der geplanten Anlagen zur Eigenstromversorgung. Insgesamt bewegten sich die Kennzahlen der Planung jedoch in einem für unsere Region statistisch vertretbaren Rahmen, auch wenn sie nicht immer im Mittelmaß, sondern vereinzelt im oberen Bereich sind.

In der anschließenden Diskussion kritisiert z.B. Renate Standfest (Grüne), dass die Unterlagen für die Kreisrät*innen erst einen Tag vor der Sitzung verfügbar waren. Bei einem so wichtigen Projekt sei das unzureichend. Sie sehe des Weiteren die hohen Baukosten als ein Problem an, ebenso das große Bauvolumen oder das großzügige Parkdeck.

Die Verwaltung geht auf die Kritik ihrer Informationspolitik nicht ein und erläutert nur, dass bei der Flächenberechnung die Personalentwicklung in einem Zehn-Jahres-Horizont betrachtet würden. Das Wachstum der Belegschaft sei hier abgebildet, angesetzt mit 4%. Jedoch seien bereits nur 70 Prozent der Mitarbeiter*innen eingerechnet, denn die Home-Office-Regelungen werden wie bisher weitergeführt. Bei den Parkplätzen gehe man davon aus, dass auch in Zukunft das Auto das Hauptverkehrsmittel für Angestellte und Besucher sein werde.

Peter Friedl (Grüne) hakt nach, und möchte wissen, ob man angesichts der Entwicklung auf dem Bereich der KI, die sich früher oder später auch in der Verwaltung bemerkbar machen wird, und zeitgemäßeren Arbeitsplatzkonzepten wie dem Desk-Sharing wirklich von einem solchen Raumbedarf ausgehen kann. Schlussendlich gab er zu bedenken, ob der Landkreis sich ein solches Bauvorhaben überhaupt leisten könne. – Hier erwidert die Verwaltung, dass man davon ausgehe, in Zukunft würden noch mehr Aufgaben auf die Kommunen übertragen, was in absehbarer Zeit zwangsläufig zu einem Anstieg des Personals führe.

Kommentar von Kilian Fitzpatrick, Kreisrat: Es kann gut sein, dass die Planung sich in statistisch normalen Bahnen bewegt. Auch ist es klar, dass etwas zur Verbesserung und Modernisierung der Arbeitsplätze unternommen werden muss. Es ist aber nicht hilfreich, wenn die Kosten für den Landkreis am Ende zu hoch sind. Um einen Vergleich zu bemühen: Auch eine Limousine kann einen vertretbaren Preis haben und mit allen schönen Extras ausgestattet sein und ihren Zweck erfüllen – was nutzt das, wenn man sich aber nur einen Kleinwagen leisten kann? Eine Realisierung dieses Projekts würde eine deutliche Erhöhung der Kreisumlage über Jahre hinweg mit sich ziehen. Das bedeutet im Klartext, dass die Gemeinden im Landkreis noch weniger Geld zur Verfügung haben werden – und viele Kommunen klagen jetzt schon über die finanziellen Herausforderungen, unter denen sie aktuell leiden. Ein solches Projekt ist den Bürger*innen im Landkreis schlichtweg nicht mehr vermittelbar und auch nicht zumutbar. Man muss vielleicht einfach den Mut haben, aus einem Projekt auszusteigen, ehe es einem über den Kopf wächst.

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